Neues aus dem Schulalltag

Wow, was sich in den letzten paar Wochen bei uns an der école vivante alles verändert hat! Ganz viele Dinge fangen an zu greifen, es wird umgesetzt und die Kinder haben einen riesigen Sprung in Richtung Selbständigkeit und Eigenverantwortung gemacht. Einige explodieren förmlich und machen gewaltige Schritte… schön zu beobachten. Wie sich das alles schrittweise angebahnt hat, war spannend zu erleben!

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Als ich am letzten Mittwoch vor den Ferien in die Schule kam, wurde es mir richtig wohlig. Emsige Kinder an ihrer individuellen Arbeit, einige spielten mit Fatima Memory, andere schrieben in ihre Hefte, andere bauten an ihrem Projekt weiter, andere wollten sogleich Hilfe für die aufgelegten Französisch-Übungen. Die Lehrpersonen voll in die Arbeit der Kinder integriert, so dass man sie gar nicht auf den ersten Blick wahrnimmt. Eine wunderschöne Atmosphäre herrschte. So soll Schule sein! Fast wie in der Scuola Vivante/ Buchs.

Das erste Mal kam ich mir dann die folgenden Tage schon fast etwas überflüssig vor (und das meine ich überhaupt nicht negativ!). Bouchra hat ihre Aufgabe sofort wahrgenommen und ist eine tolle Ergänzung für das Team. Die Kinder haben sie bereits als Lehrperson im Sinne einer Lernbegleiterin akzeptiert, so dass ich immer mal wieder Luft habe, die neue Atmosphäre zu schnuppern und zu beobachten.

Wir haben in den letzten Monaten immer wieder festgestellt, dass die hiesige Kultur keine fragende Kultur ist. Fragen werden generell nicht gestellt, da innerhalb der Familien immer die Ältesten sagen, wie was gemacht wird. Dies wird dann nicht mehr hinterfragt. So fällt uns auch auf, dass viele Dinge seit Generationen gleich gemacht werden, obwohl es wesentlich einfachere Wege geben würde. Dies hat natürlich auch Vorteile, so werden Traditionen echt gelebt und die Menschen sind dadurch auch wesentlich entspannter als bei uns. In der Schule zeigt sich dieser kulturelle Hintergrund aber auch stark durch eine fehlende oder nicht geweckte Neugierde und eine Hilfslosigkeit, wenn es darum geht, Fragen zu entwickeln oder Interesse zu bekunden.

Deshalb möchten Daniel und ich in den letzten Wochen, in denen wir hier sind, eine “Denkschule” anbieten. Wir möchten jeden Tag einen Denkanstoss geben, dem die Schüler folgen können, wenn sie möchten. Auch dürfen sie selbst bestimmen, wie lange sie sich gedanklich damit auseinandersetzen. Wir dachten an unterschiedliche Dinge, wie logische Rätsel mit mehreren Lösungswegen und Lösungen, kreativer Sprachunterricht der die Phantasie anregt , Tüftelaufgaben mit diversem Material, philosophische Fragen, mathematische kreative Ansätze, gestalterische Herausforderungen… es sollen immer Dinge sein, die zum Denken und kreativer Lösungssuche anregen und viele Lösungswege zulassen….

So, nun grüssen wir euch herzlich aus dem blühenden Mandelbäumen-Tal
Isabelle und Daniel Saluz

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