Fabiennes Ramadan Alltag – Teil 2

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Fabienne im Sportunterricht 

In der Schule angekommen herrscht Ausnahmezustand. Zwar ist die Lehrerarbeitszeit von 7-12h, die Schüler sollen allerdings erst um 8.30h kommen. Trotzdem sitzen oder spielen viele schon seit 6h vor der Tür, da ihre Eltern, wie Aicha, früh aus dem Haus gehen, um später zu schlafen oder die Kinder selbst fasten und deshalb früh wach sind.
Ab der Pubertät müssen (und wollen) sie am Ramadan teilnehmen, doch de facto machen bereits die meisten Zehnjährigen hier schon fast die Hälfte der 30 Tage mit.
Nach der Lehrersitzung oder der Stunde Gebärdensprach-Unterricht, die ich morgens mit dem Team habe, geht es in den Schulbetrieb. Die 6. Klasse bereitet ihre Examen vor, während die anderen sich darum kümmern, die Schule aufzuräumen und die Schuljahresabschlussfeier zu planen.

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Fabienne mit Kollegin Keltouma und mit Senior Expertin Doris 
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Tagsüber auf Essen zu verzichten finde ich dabei nicht so schlimm, allerdings macht es mir zu schaffen, bei der Hitze und Trockenheit nichts zu trinken und dumpfe Kopfschmerzen machen sich breit. Außerdem schlaucht der Schlafrhythmus, der zwischen 2.30h und 4h unterbrochen ist.
Um etwa 12h mache ich mich auf den Heimweg. Jetzt ist es wirklich warm, aber der Gedanke an unser kühles dunkles Haus lässt mich noch recht fröhlich durch die sommerliche Tallandschaft spazieren. Zu Hause angekommen lege ich mich wie Aicha zum Schlafen hin und die Stunden der Nacht aufzuholen.

Dann beginnen Aicha und ich zu kochen, Brot zu backen, zu Schnibbeln und das Haus aufzuräumen.
Die Kinder toben um uns herum. Wir unterhalten uns gut, auch wenn ich nicht genau sagen kann, wie. Es ist eine Mischung aus meinen kümmerlichen Tamazight-brocken und Gebärden, Pantomime und versuchtem Französisch. Aber es klappt wundersamer Weise. Manche Menschen haben ein Talent zu kommunizieren sie gehört zweifelsohne dazu.

Fabi7 die Küche

Gegen 18h beginne ich unseren „Garten“ mit einigen Reihen Tomaten- und Zwiebelpflanzen sowie kleinen Obstbäumen zu wässern. Meist eilt mir Jaouhar zur Hilfe und ist danach nasser als der Boden, doch ohne unsere abendlichen Gießbemühungen hätten die Pflanzen vermutlich keine zwei Tage in der Hitze auf dem staubtrockenen Boden überlebt.

Gegen 19.40h (jeden Tag etwas später) ruft der Muezzin und wir brechen mit einer Dattel und Tee oder Milch das Fasten. Danach ist es erlaubt zu essen, bis um etwa 3.30h. Müde knüpfen Aicha und ich noch etwas an dem Teppich weiter, an dem sie gerade arbeitet, dann geht es gegen 22h in Bett, denn der Morgen kommt bald!

Fabienne Schwartz ist seit April an der école vivante und macht mit den Mitarbeiter_innen und Schüler_innen Fortbildungen zu Gebärdensprache und Hörgeschädigtenpädagogik. Sie bleibt für drei Monate an der école vivante und lebt in der Gastfamilie der zwei tauben Schüler_innen, Assia und Jaouhar aus der ersten Klasse.

 

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